Neueröffnung oder Übernahme

Der Weg zur
eigenen Praxis

 

Sie haben keine Lust mehr auf Nachtdienst, Rufbereitschaft und Überstunden und möchten lieber eine eigene Praxis gründen? Für den erfolgreichen Schritt in die Selbstständigkeit ist die richtige Strategie ausschlaggebend. Im Jahr vor Eröffnung Ihrer eigenen Praxis sollten die folgenden Punkte geklärt sein.

Neugründung oder Praxiskauf

„Für jeden Arzt, der sich selbstständig machen will, gibt es zwei Möglichkeiten: die Eröffnung einer neuen Praxis oder den Kauf einer bereits bestehenden Praxis“, erklärt Diplom-Kaufmann Axel Witte von der RST-Steuerberatungsgesellschaft in Essen.

Die bestehende Arztpraxis eines Kollegen zu übernehmen, ist heute der häufigste Weg in die Selbstständigkeit, denn Neugründungen sind – insbesondere in Großstädten – schwierig. „Kauft man eine Praxis, ist die Übernahme des bestehenden Patientenstamms besonders vorteilhaft“, sagt Witte. „Außerdem kann man mithilfe der Zahlen der Vergangenheit einschätzen, wie erfolgreich die Praxis in Zukunft sein könnte.“

Eine Ausnahme von dieser Regel bilden ländliche Regionen. „Es gibt Gemeinden in Deutschland, die einen Arzt, der eine neue Praxis gründen will, mit Freude aufnehmen“, berichtet Witte. Manchmal stellen die betroffenen Gemeinden sogar mietfreie Wohnungen und komplett eingerichtete Praxisräume zur Verfügung. „In solchen Fällen kann man sich den Kaufpreis einer bereits bestehenden Praxis möglicherweise sparen und eine vollkommen neue Praxis aufmachen“, sagt Witte.
Wobei es nicht unbedingt immer teurer sein muss, eine bestehende Praxis zu kaufen, als sie neu zu gründen, betont Witte. „Je nach ärztlicher Fachrichtung und Standort der Praxis kommen für Renovierung, Möblierung und medizinische Geräte oft ähnlich hohe Beträge zusammen wie für den Kauf einer Praxis, die bereits voll ausgestattet ist.“

Jobsharing

Durch das Jobsharing können Ärzte auch in einem für Neuzulassungen gesperrten Planungsbereich eine beschränkte Zulassung erhalten. Ein bereits zugelassener Vertragsarzt teilt seine Zulassung mit einem weiteren Mediziner derselben Fachrichtung. Der Leistungsumfang der Praxis darf sich dadurch „nicht wesentlich“ erhöhen, sondern wird lediglich anders verteilt. Bei einer Praxisnachfolge wird der hinzugekommene Kollege nach fünf Jahren bevorzugt berücksichtigt.

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Standortwahl

Voraussetzung für eine eigene Praxis ist – neben der abgeschlossenen fachärztlichen Weiterbildung – vor allem die Zulassung zur vertragsärztlichen Tätigkeit bei der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung (KV). „Wer eine bestehende Praxis übernimmt, wird mit der Zulassung in den meisten Fällen keine Probleme haben, da der Vorgänger diese bereits hatte“, erklärt Witte. Die Übernahme einer Praxis ermöglicht damit auch die Niederlassung in gesperrten Gebieten, in denen eine Neugründung durch Zulassungsbeschränkung sonst nicht möglich ist. In diesen Fällen sollte allerdings immer ein Antrag auf Neubesetzung bei der zuständigen KV gestellt werden.

„Wer eine Praxis neu gründen will, muss sich mit der KV abstimmen. Vor allem in Gebieten, in denen bereits viele Ärzte tätig sind, vergibt die KV gerade für Fachärzte häufig keine neuen Zulassungen“, sagt Witte.

Stadt oder Land? Das ist die zweite wichtige Frage bei der Wahl des Praxisstandortes. „Vor allem ist es eine Mentalitätsfrage“, betont Witte. „Wer sich auf dem Land wohl fühlt, wird dort hervorragende Voraussetzungen für die Ausübung seines Berufes finden. Es gibt viele Orte, an denen es nur wenige Ärzte gibt. Das bedeutet mehr Patienten pro Praxis und damit ein besseres Einkommen. Auch Personalkosten, Miete und Lebenshaltungskosten sind in ländlichen Regionen oft niedriger, die Gehälter aber die gleichen wie in der Stadt.“

„Wer dagegen in der Stadt arbeiten möchte, dem würde ich zum Praxiskauf raten“, sagt Witte. „Selbst wenn man noch einen Ort findet, an dem man eine kassenärztliche Zulassung für eine neue Praxis bekommen würde, ist der Amortisationszeitraum in der Stadt sehr lang.“

Mit einer neuen Praxis in der Stadt dauert es mindestens drei Jahre, bis man ebenso viel verdient wie ein Kollege, der schon lange vor Ort ist. Auf dem Land verläuft dieser Prozess wesentlich schneller und liegt bei etwa einem Jahr oder sogar darunter.

Spezialisierung

Vor der Selbstständigkeit sollte man sich einige Gedanken über die Ausrichtung der eigenen Praxis machen. „Die Niederlassung als ‚Feld-Wald-Wiesen-Mediziner‘ hat selten großes Wachstumspotenzial“, sagt Witte. Ärzte, die sich spezialisiert haben, sind meistens erfolgreicher. Das gilt insbesondere für Allgemeinmediziner und Zahnärzte. „Als Allgemeinmediziner besteht die Möglichkeit, sich auf freie Leistungen zu spezialisieren, die außerhalb der regulären Leistungen vergütet werden – zum Beispiel Disease-Management-Programme (DMP). Als Zahnarzt kann man bei entsprechender Qualifikation zum Experten für Wurzelbehandlungen oder Implantologie werden“, nennt Witte einige Beispiele. Ein Alleinstellungsmerkmal ist entscheidend für den Erfolg der Praxis.

Betriebswirtschaftliche Vorbereitung

Mit der Niederlassung wird aus einem angestellten Arzt ein Unternehmer. „Viele Ärzte gehen betriebswirtschaftlich schlecht vorbereitet in die Selbstständigkeit“, berichtet Witte. Doch es ist sinnvoll, sich schon vorher in Form eines Businessplans Gedanken darüber zu machen, wie man die wirtschaftlichen Aspekte einer eigenen Praxis angehen möchte. „Ich kann nur jedem Arzt raten, zu einem nachweislich spezialisierten Berater zu gehen“, sagt Witte und betont: „Lassen Sie sich von dem Berater Referenzen von anderen Ärzten geben, die er betreut.“ Beratung zu Ihrer Niederlassung bekommen Sie zudem bei jeder KV vor Ort.
Die zweite Möglichkeit ist die persönliche Weiterbildung, um sich unternehmerisches Grundwissen anzueignen. Dabei hilft bis zu einem gewissen Maß die entsprechende Fachliteratur. Außerdem gibt es spezielle Fortbildungskurse für Ärzte (siehe „Weitere Informationen“).

Die rechtzeitige Berücksichtigung und strategische Umsetzung dieser Faktoren werden die Entscheidung und den Weg hin zur eigenen Praxis erleichtern.

Weitere Informationen

  1. Seminarangebot der Deutschen Apotheker- und Ärztebank
    www.apobank.de/tools/Seminarprogramm.html
  2. Praxisbörsen im Internet
    www.praxisboerse.de
    www.die-praxisboerse.de
  3. Sonderpublikation „Praxisgründung“, herausgegeben vom Berufsverband Niedergelassener Chirurgen, mit wertvollen Tipps und Erfahrungsberichten, für alle Fachrichtungen geeignet
    www.bncev.de/fileadmin/user_upload/redakteur_upload/Sonderhefte/BNC-Sonderheft_Praxisgru__ndung_final.pdf
  4. Der Arzt als Existenzgründer: Businessplan – das muss rein. Dtsch Arztebl 2011; 108 (48): A-2621/B-2190/C2162.
    www.aerzteblatt.de/archiv/115623/Der-Arzt-als-Existenzgruender-Businessplan-das-muss-rein

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