Kooperationsmodelle

Einfach praktischer:
gemeinsam in der Praxis

 

Die eigene Praxis – diesen Wunsch wollen sich viele Ärzte erfüllen. Auf dem Weg in die Selbständigkeit entscheidet sich jeder zweite Facharzt für eine Kooperation. Vor allem Anästhesisten, Neurologen und Orthopäden, aber auch immer mehr Hausärzte gehen diesen Schritt gemeinsam.1

Doch welches Kooperationsmodell passt am besten? Ärzte haben heute viele Möglichkeiten, sich niederzulassen. Die Arbeitsmodelle sind in den vergangenen Jahren sehr flexibel geworden, und jede Kooperationsform hat spezifische Vor- und Nachteile. Die folgenden vier Modelle sind besonders beliebt:2

1. Praxisgemeinschaft

In einer Praxisgemeinschaft sind mindestens zwei Einzelpraxen mit gleicher oder unterschiedlicher Fachausrichtung vereint. Man teilt sich Räume, Personal und Einrichtung, arbeitet aber ansonsten getrennt voneinander. Jeder Partner hat seine eigenen Patienten und rechnet separat ab. Es geht also in erster Linie darum, die Fixkosten zu reduzieren, und nicht, die Patienten gemeinschaftlich zu behandeln. Diese Kooperationsform benötigt als einzige keine Genehmigung, sondern muss nur bei der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung (KV) angezeigt werden.

2. Berufsausübungsgemeinschaft (BAG)

In einer Berufsausübungsgemeinschaft (früher „Gemeinschaftspraxis“) teilen sich die Mediziner Patientendatei, Räume, Personal und Geräte. Die Abrechnung erfolgt über eine Abrechnungsnummer, Gewinne und Verluste werden geteilt. Ziel ist es, Patienten gemeinsam zu behandeln. Es arbeiten zum Beispiel ein Orthopäde und ein Chirurg zusammen. Mediziner derselben Fachrichtung können auch gemeinsam praktizieren.

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3. Jobsharing

Durch das Jobsharing können Ärzte auch in einem für Neuzulassungen gesperrten Planungsbereich eine beschränkte Zulassung erhalten. Ein bereits zugelassener Vertragsarzt teilt seine Zulassung mit einem weiteren Mediziner derselben Fachrichtung. Der Leistungsumfang der Praxis darf sich dadurch „nicht wesentlich“ erhöhen, sondern wird lediglich anders verteilt. Bei einer Praxisnachfolge wird der hinzugekommene Kollege nach fünf Jahren bevorzugt berücksichtigt.

4. Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ)

In einem Medizinischen Versorgungszentrum bieten Ärzte mit unterschiedlichen Facharzt- und Schwerpunktbezeichnungen eine „Versorgung aus einer Hand“. Es gibt also einen gemeinsamen Patientenstamm und eine gemeinsame Abrechnung. In einem MVZ können sowohl freiberuflich tätige als auch angestellte Ärzte arbeiten.

Die Zusammenarbeit mit anderen Medizinern bietet noch weitere Vorteile. So können sich die Partner fachlich austauschen und ein erweitertes Behandlungsspektrum anbieten. Das finanzielle Risiko ist – je nach Modell – auf mehrere Personen verteilt. Durch die gemeinschaftliche Nutzung von Räumen und Personal entstehen Kostensynergien. Sogar Öffnungszeiten und Vertretungsregelungen lassen sich einfacher gestalten. Andererseits müssen sich die Partner bei Entscheidungen abstimmen. Dabei kann es auch zu Streitigkeiten kommen, beispielsweise wenn die Gewinnverteilung nach Ansicht eines Partners nicht fair geregelt ist.

Bei der Gründung einer Kooperationspraxis arbeiten die beteiligten Partner einen Finanz- und Investitionsplan aus. Optimalerweise berücksichtigt dieser neben steuerlichen und rechtlichen auch organisatorische und persönliche Belange. Bereits bei der Beantragung der Zulassung beim zuständigen Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) muss klar sein, wo der künftige Praxisstandort sein wird. Einfacher ist es daher, in eine bestehende Praxis einzusteigen. Das Risiko ist geringer als bei einer Neugründung – und meist ist es auch der Kapitalbedarf. Hilfe bei der Planung und Durchführung bieten die KV, Rechtsanwälte und Steuerberater.

Quellen:

1 Existenzgründungsanalyse für Fachärzte 2012 (Veröffentlichung April 2014); Existenzgründungsanalyse für Hausärzte 2013 (Veröffentlichung Oktober 2014)

2 Kassenärztliche Bundesvereinigung

Infografik
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