Work-Life-Balance

Familie und
Freizeit trotz
Arztberuf?

Junge Ärztinnen und Ärzte wollen für ihre Patienten da sein, dafür aber nicht das Familienleben opfern. Die Krankenhausbetreiber haben das erkannt und bieten zunehmend familienfreundliche Arbeitsplätze an.

60-Stunden-Wochen, Nachtschichten, Bereitschaftsdienste – traditionell gehört der Job des Krankenhausarztes nicht zu den Paradebeispielen für eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Dennoch schätzen gerade junge Ärztinnen und Ärzte, die eine Familie gründen möchten oder bereits Kinder haben, die finanzielle Sicherheit einer Festanstellung.

Und gerade für diese jungen Mediziner ist der allgemein beklagte Ärztemangel ein Trumpf bei der Jobsuche. Inzwischen haben auch die Krankenhausbetreiber erkannt: Um qualifiziertes ärztliches Personal an ihre Einrichtungen zu binden, genügen ein gutes Gehalt und Karrieremöglichkeiten nicht mehr. Den entscheidenden Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt haben Häuser, die ihren Angestellten einen familienfreundlichen Arbeitsplatz bieten.

Auch sollte die Familie vom Beruf profitieren – beispielsweise wenn es um besondere Konditionen bei der privaten Krankenversicherung geht.

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Männer und Frauen wünschen sich mehr Zeit für Familie

Oft wird die Notwendigkeit familienfreundlicherer Arbeitsbedingungen mit der zunehmenden „Feminisierung der Medizin” begründet. Derzeit sind zwar immer noch rund 60 % der Mediziner in Deutschland Männer, doch seit Anfang der 1990er Jahre ist der Frauenanteil an der Ärzteschaft kontinuierlich gestiegen. Aktuelle Studien zeigen allerdings auch, dass junge Männer und Frauen heute gleichermaßen und verstärkt den Wunsch haben, Beruf, Familie und Freizeit gut miteinander vereinbaren zu können.1 Die Medien sprechen in diesem Zusammenhang von der „Generation Y”.

Betriebliche Kinderbetreuung inklusive Mittagstisch und Hausaufgabenhilfe, Teilzeitarbeitsplätze und andere familienfreundliche Arbeitszeitregelungen bieten inzwischen viele Krankenhäuser in Deutschland für ihre angestellten Ärzte an. Flächendeckend ist das aber noch lange nicht der Fall. In einer Mitgliederbefragung der Ärztegewerkschaft Marburger Bund gaben nur 45 % der Ärzte an, dass ihr Krankenhaus ausreichend Möglichkeiten bietet, Beruf und Familie zu vereinbaren.2 Wie lassen sich also bei der Jobsuche Einrichtungen finden, die eine gute Balance zwischen Beruf und Privatleben ermöglichen?

Potenzielle Arbeitgeber per Checkliste unter die Lupe nehmen

Die Bundesärztekammer hat zu diesem Zweck das Handbuch „Familienfreundlicher Arbeitsplatz für Ärztinnen und Ärzte – Lebensqualität in der Berufsausübung” herausgegeben.3 Es legt dar, wie es zurzeit um die Familienfreundlichkeit in deutschen Krankenhäusern bestellt ist, und stellt Konzepte vor, wie verschiedene Krankenhäuser bereits heute versuchen, die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit zu fördern.

Besonders hilfreich bei der Suche nach einem familienfreundlichen Arbeitsplatz sind Checklisten, anhand derer Ärzte und Ärztinnen ihren künftigen Arbeitgeber überprüfen können. Zudem listet das Buch Einrichtungen auf, die eine betriebliche Kinderbetreuung anbieten.

Eine weitere Anlaufstelle bei der Suche nach einem familienfreundlichen Arbeitsplatz ist die Website www.familienfreundliches-krankenhaus.de des Marburger Bundes. Sie bietet ein fortlaufend aktualisiertes, nach Bundesländern durchsuchbares Register von Krankenhäusern, die flexible Arbeitszeiten, Kinderbetreuung, Wiedereinstiegsprogramme nach der Elternzeit und auch Familienpflegezeit anbieten.

Große Krankenhäuser sind öfter familienfreundlich

Bislang enthält das Register zum größten Teil Krankenhäuser mit mehr als 200 Betten, deren Websites nach Informationen über familienfreundliche Angebote durchsucht wurden. Grundsätzlich scheinen Mediziner, denen die Work-Life-Balance wichtig ist, in größeren Einrichtungen eher den geeigneten Arbeitsplatz zu finden. Laut einer Bestandsaufnahme der Familienorientierung im stationären Sektor räumen rund zwei Drittel der Krankenhäuser mit mehr als 600 Betten der Vereinbarkeit von Beruf und Familie einen hohen Stellenwert ein.4 Von den Häusern mit bis zu 300 Betten hat sich nur ein Drittel familienfreundlichen Arbeitsbedingungen verschrieben, bei den mittelgroßen Häusern ist es die Hälfte.

Quellen

1 Online-Umfrage der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (2005).

2 Mitgliederbefragung des Marburger Bundes (2010).

3 Ratgeber „Familienfreundlicher Arbeitsplatz für Ärztinnen und Ärzte – Lebensqualität in der Berufsausübung“, Bundesärztekammer (2010).

4 Deutsches Krankenhausinstitut. Krankenhaus-Barometer 2008.

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