Work-Life-Balance

Hausarzt auf
dem Land?
Warum nicht?!

Es gibt zwar viele Medizinstudierende, die an einer Weiterbildung zum Allgemeinmediziner grundsätzlich interessiert sind, aber die wenigsten würden sich heute für diesen Beruf entscheiden. Das ergab eine bundesweite Umfrage der Universität Trier unter 11.462 Medizinstudierenden im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).

Die Zahl der Hausärzte ist rückläufig, und geht es nach den angehenden Medizinern, zeichnet sich auch keine Kehrtwende ab. Nur zehn Prozent der Nachwuchsmediziner würden sich in der jetzigen Phase ihrer Ausbildung für eine Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin entscheiden.

„Man muss kein Rechenkünstler sein, um zu erkennen, dass diese Menge nicht ausreicht, um den derzeit noch bestehenden Anteil von 40 Prozent Hausärzten an allen Vertragsärzten aufrechtzuerhalten”, sagt KBV-Vorstand Dipl.-Med. Regina Feldmann.

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Die meisten wollen in die Innere Medizin

Doch es gibt einen Lichtblick, denn das grundsätzliche Interesse an einer allgemeinmedizinischen Weiterbildung ist nicht so gering wie oftmals angenommen. Fragt man die Studierenden in einem Multiple-Choice-Fragebogen, welche Fachrichtung für sie prinzipiell infrage kommt, steigt der Anteil derjenigen, die Allgemeinmedizin nennen, auf 34,5 Prozent. Im Vergleich zu einer ersten Befragung vor vier Jahren ist das eine leichte Steigerung. Die meisten allerdings bevorzugen eine Ausbildung im Bereich der Inneren Medizin (45,6 Prozent).

Das zeigt sich auch, wenn man die Studierenden fragt, für welche Fachrichtung sie sich heute entscheiden würden (Single Choice). Die meisten interessieren sich für eine Facharztausbildung in der Inneren Medizin (18,6 Prozent). Häufig bedeutet das eine spätere Spezialisierung in Bereichen wie der Kardiologie oder Nephrologie. Nur sehr wenige erwägen, ihren Facharzt im Bereich der Augenheilkunde (1,2 Prozent), der Haut- und Geschlechtskrankheiten (1,3 Prozent), der Urologie (1,4 Prozent) oder der HNO-Heilkunde (1,5 Prozent) zu machen.

Allgemeinmedizin kämpft mit negativem Image

Vor allem die negativen Rahmenbedingungen, die angeblich mit der Tätigkeit als Hausarzt verbunden sind, schrecken den Nachwuchs ab. Laut der Studie legen vier von fünf Befragten Wert auf ein gutes Einkommen, jedoch assoziieren ebenso viele den Hausarztberuf mit einem geringen Verdienst. Außerdem hat der Hausarzt bei den Medizinstudierenden ein Imageproblem. Die Vorstellungen, ein „Einzelkämpfer“ und ständig verfügbar sein zu müssen, missfallen ihnen. Jeder zweite Befragte hält die Tätigkeit als Hausarzt für schlicht langweilig.

Viele der Vorurteile sind jedoch längst überholt, meint Feldmann. Der Hausarzt der Zukunft sei kein Einzelkämpfer, er werde vor allem als Koordinator in vernetzten Strukturen arbeiten, zusammen mit anderen ärztlichen Kollegen, aber auch verstärkt mit Angehörigen nichtärztlicher Gesundheitsberufe. Und die Honorare? „Hausärzte haben in den vergangenen Jahren gegenüber anderen Fachärzten aufgeholt.“ Eines der Ziele der laufenden Honorarreform sei es, eine bessere Bezahlung der sogenannten sprechenden Medizin und für die Behandlung von chronisch Kranken und alten Menschen zu erzielen.

Lieber in die Großstadt als aufs Land

Neben der fachlichen Ausrichtung ist die Frage, ob man lieber in der Stadt oder auf dem Land leben und arbeiten möchte, eine der großen Zukunftsfragen. Nach wie vor will ein Großteil des Nachwuchses nicht aufs Land: Die beliebtesten Regionen sind vor allem urbane Zentren wie Hamburg (63 Prozent) und Berlin (49 Prozent) sowie Nordrhein-Westfalen (51 Prozent).

Allerdings ist die Abneigung gegen ländliche Regionen nicht mehr ganz so groß: Die Bereitschaft, auch in Ortschaften mit weniger als 2.000 Einwohnern zu arbeiten, verbesserte sich gegenüber 2010 etwas. Ein Grund dafür könnten die Initiativen der Ärzteschaft, der Landespolitik und der Kommunen sein. Beispielsweise hat die KBV gemeinsam mit den Kassenärztlichen Vereinigungen die Kampagne „Lass dich nieder“ ins Leben gerufen.

Eigene Praxis versus Anstellung im Krankenhaus

Für die junge Ärztegeneration kommt eine Tätigkeit als Angestellter in einem Krankenhaus (76 Prozent) genauso infrage wie eine selbstständige, freiberufliche Tätigkeit in einer eigenen Praxis als spezialisierter Facharzt (74 Prozent). Gerade einmal halb so viele (37 Prozent) können sich jedoch eine Niederlassung als Hausarzt mit eigener Praxis vorstellen.

Junge Mediziner können selbst frühzeitig die Weichen für eine spätere Selbstständigkeit stellen – oder sich zumindest die Entscheidung erleichtern. Beispiel Krankenversicherung: Die meisten starten gesetzlich versichert in ihren ersten Ärztejob. Bei großen Versicherern wie der Allianz Privaten Krankenversicherung finden sie jedoch spezielle Tarife, die Ärzten eine private Krankenversicherung mit lukrativen Leistungen zu ansprechenden Konditionen bieten. Je früher bzw. umso jünger man einsteigt, desto günstiger kann man sich versichern. Bei einer späteren Selbstständigkeit zum Beispiel als Hausarzt mit eigener Praxis, aber auch bei der Karriere in der Klinik, kommt den Medizinern dieser Vorteil finanziell zugute – zusätzlich zu den Vorteilen einer Absicherung weit über dem gesetzlichen Niveau.

Das „Berufsmonitoring Medizinstudenten 2014“ wurde von der Universität Trier im Auftrag der KBV in Kooperation mit dem Medizinischen Fakultätentag (MFT) und mit Unterstützung der Bundesvereinigung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) sowie der Studentenvertretung des Marburger Bundes durchgeführt.

Quelle

Berufsmonitoring Medizinstudenten 2014

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